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25. Okt 2010

Brennpunkt Industrietor

Trotz EnEV öffnen unklare Dämmwertangaben und Fehlverhalten der Energieverschwendung noch Tor und Tür
Zoombild
Maßstab für die Dämmung ist der U-Wert. Dieser hängt bei Toren vom Verhältnis zwischen Fläche und Rahmen ab. Der gute U-Wert eines großen Tores ist daher nicht automatisch auf eine kleinere Ausführung übertragbar. Quelle: Bothe-Hild GmbH
Dickere Wände, isolierte Dachstühle, Spezialfenster – spätestens seit der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 ist die Dämmung auch im Industriebau zum großen Thema geworden. Nur der Schwachpunkt Tor steht immer noch offen. Lange Zeit wurden Industrietore in der energetischen Planung nur als Verlustfaktor betrachtet und mit anderen Maßnahmen ausgeglichen. Inzwischen gibt es Konstruktionstechniken und Materialien, mit denen auch Tore gute bis sehr gute Dämmwerte erreichen können, allerdings werden diese Werte uneinheitlich angegeben. Pauschalwerte etwa auf 25 m2 sind nicht aussagekräftig, da die Dämmwirkung vom Verhältnis Fläche zu Rahmen abhängt. Was die moderne Tortechnik tatsächlich leistet, lässt sich jeweils nur am konkreten Fall festmachen.
Um 30 Prozent hat die EnEV 2009 die zulässige Obergrenze für den Jahres-Primärenergiebedarf von Neubauten gesenkt. „Die Wärmedämmung der Gebäudehülle muss somit durchschnittlich 15 Prozent mehr leisten“, erklärt Dr. Meinolf Gringel, Leiter der Prüfstelle Kälte-, Klima- und Wärmetechnik bei der DMT GmbH & Co. KG, einer Tochter der TÜV Nord AG. „Dadurch steigen die Anforderungen an die Tore und der messtechnische Nachweis der U-Werte rückt weiter in den Fokus.“ Grund dafür ist, dass jetzt einzelne Gebäudeteile hinsichtlich ihres Dämmwerts berechnet werden, während früher nur die Richtvorgaben eines Referenzgebäudes eingehalten werden mussten. Schlechte Dämmung konnte etwa durch effizientere Gebäudetechnik aufgewogen werden. Inzwischen liegen konkrete Vorgaben für Außentüren vor: bei einer Solltemperatur von über 19°C im Raum ein U-Wert von 1,8 W/m2K, bei Temperaturen zwischen 12 und 19°C ein Wert von 2,9 W/m2K. „Der Wärmewiderstand eines vollständigen Tores muss nach Anhang B der DIN EN 12428 geprüft oder berechnet werden“, so Gringel. „Die Angaben der Hersteller dazu erhalten im Kontext der EnEV auch eine juristische Dimension, wenn der Energieverbrauch nicht mit den rechnerisch ermittelten Daten übereinstimmt und das Tor als Schwachstelle ausgemacht wird.“
Unsichere Bewertungsgrundlage für den Dämmwert
Eben in diesen U-Wert-Angaben liegt aber die große Problematik der Hersteller, denn die Dämmleistung eines Tores hängt entscheidend von der jeweiligen Konstruktion und Gestaltung ab. Der Energieverlust setzt sich zusammen aus dem Wärmestrom durch das Torblatt und der Wärme, die durch Führungen, Rahmen und Dichtungen entweicht. Da der U-Wert des Rahmens in der Regel schlechter ist als der Wert der Füllung, fällt dieses Verhältnis bei kleineren Toren negativer aus: Bei einem 3 x 3 m Tor etwa stehen 9 m2 Fläche 12 m Dichtung gegenüber, bei einem 5 x 5 m Tor sind es dagegen 25 m2 Fläche und nur 20 m Dichtung.
„In Prospekten wird deshalb oft mit einem Wärmewiderstand geworben, wie er sich bei einem 25 m2 großen Tor ergibt. Bei einem kleineren Tor gleicher Bauart sähen die Werte jedoch ganz anders aus“, warnt Michael Janssen, Geschäftsführer der auf Industrietore spezialisierten Bothe-Hild GmbH. Um diesen Unsicherheitsfaktor für die Planer zu beseitigen, gibt das Torbauunternehmen Dämmwerte immer genau für das jeweilige Tor an, wie Janssen erklärt: „Zuerst muss daher die exakte Spezifikation des Tores stehen, also die Größe und das Verhältnis der Verglasung zu anderer Füllung und zum Profil. Dann kann anhand der U-Werte der einzelnen Materialien der gesamte Dämmwert errechnet werden.“
Zoombild
U-Wert von 1,9 W/m2K und trägt so erheblich zur Gebäudedämmung bei. Quelle: Torglas GmbH
Mehrfachverglasung senkt Heizkosten
Um einen möglichst guten U-Wert zu erhalten, spielt vor allem die Verglasung eine wichtige Rolle. Mit Blick auf die derzeitige Torbaupraxis liegen etwa 80 % der Energiesparmöglichkeit im Glas und nur 20 % im Profil des Tores. „Im modernen Industriebau haben isolierte Wand- und Dachfläche heute U-Werte von 0,2 bis 0,3 W/m2K. Gut gedämmte Fenster liegen bei 1 bis 1,5 W/m2K“, erklärt Marcus Cremer, Vertriebsleiter der Torglas GmbH. „Ein vollverglastes Tor in einer Größe von 5 x 5 Metern weist dagegen einen U-Wert von 4,2 W/m2K auf. Alleine durch die Fläche dieses Tores gehen in einem Winter mit 200 Heiztagen bei einer mittleren Temperaturdifferenz von 20°C 10.800 kW Heizenergie im Gegenwert von 1000 l Heizöl verloren.“ Das entspricht einer CO2 Emission von 2,8 t in jedem Winter. Ein Tor verliert damit fast ebenso viel Energie wie 500 m2 einer herkömmlichen Wandfläche. Häufig geht durch die Fläche der geschlossenen Tore doppelt soviel Heizenergie verloren wie durch die gesamte Gebäudehülle.
Das Team der Torglas GmbH entwickelt seit 18 Jahren moderne Verglasungen für Industrietore und bietet inzwischen eine spezielle „Clima“-Serie an. Mit diesen Produkten lassen sich ohne weitere konstruktive Maßnahmen die U-Werte solcher Tore um bis zu 50 % reduzieren. Der U-Wert eines 5 x 5 m großen Tores verringere sich etwa durch den Einsatz der neuen „climatop“-Verglasung von 4,2 W/m2K auf 2,2 W/m2K, erläutert Cremer. Das spart in einem Winter die Heizleistung von fast 500 l Heizöl und die Emission von fast 1,5 t CO2 ein. Je nach Gebäudekonfiguration kann der Gesamtenergiebedarf so um bis zu 30 % gesenkt werden. Der Mehraufwand für diese Verglasung amortisiert sich schon nach etwa drei Jahren. Die mögliche Einsparung ist deutlich höher als etwa beim Einsatz der nächst besseren Wandverkleidung, wo es beispielsweise nur um Unterschiede von 0,06 W/m2K geht.“

Sonstige Neuheiten von Bothe-Hild

DatumBeschreibung
18. Jan 2011Perfekt in Szene - auch nach Ladenschluss
26. Nov 2010Energiekosten um bis zu 30 Prozent senken
26. Okt 2010Energiekosten um bis zu 30 Prozent senken
12. Mai 2010Energiesparlösungen rund ums Tor

Sonstige Neuheiten von Bothe-Hild